Dr. Christine Geißler & DDr. Peter Geißler, Praxisgemeinschaft

Analytische Körperpsychotherapie

Definition analytischer Körperpsychotherapie
(J. Westram, in: Die Therapeutin als Realobjekt. In: Analytische Kinder- und Jugendpsychotherapie, Heft 130, Jg. 47/2, 2006 S. 209-237)

Der Handlungsdialog wird mittlerweile unterschiedlich definiert. Meinte Klüwer (1995) damit noch unbewusst-vermittelte Beziehungsbotschaften, so gibt es heute eine breitere und umfassendere Definition, in die unbewusste und bewusste Handlungsaspekte gleichermaßen einfließen. Dieser breiten Definition des Handlungsdialoges trägt die analytische Körperpsychotherapie Rechnung, indem sie die Wirksamkeit von Handlungsdialogen sowohl auf ihrer konkreten wie auch symbolischen Bedeutung für den Patienten erklärt. Dies bedeutet für die Technik analytischer Körperpsychotherapie, dass sowohl mit unbewusst ablaufenden Handlungsdialogen (Enactments) als auch mit bewusst eingesetzten Handlungsdialogen (szenischen Interventionen) gearbeitet wird. Der auf diese Weise breit definierte Handlungsdialog bleibt dabei dennoch zu ca. 90% von unbewussten Komponenten bestimmt. Das „gemeinsame implizite Wissen“ (D. Stern) ist der Ort der mutativen Wirkung von Psychotherapie.

Definition analytischer Körperpsychotherapie
(H.-J. Maaz, in: Wörterbuch der Psychotherapie v. Stumm / Pritz, Springer-Verlag 2000, S. 25):

"Analytische Körperpsychotherapie arbeitet auf der Grundlage des Wissens- und Erfahrungsfundus der Psychoanalyse, theoretisch vor allem auf ihren modernen Ausdifferenzierungen der Ich-Psychologie (Hartmann, Blanck), der Objektbeziehungstheorien (Balint, Winnicott, Kernberg), der Selbstpsychologie (Kohut) und der neueren Säuglingsforschung (Lichtenberg, Stern). Die Widerstandsanalyse sowie die Analyse der Übertragungs-Gegenübertragungs-Dynamik zur Klärung unbewussten seelischen Konfliktmaterials sowie die Reaktivierung präverbaler und präsymbolischer Beziehungsdefizite und Traumatisierungen durch senso-affekt-motorische Körpererinnerungen zur weiteren Entwicklung und Differenzierung von Selbst- und Objektrepräsentanzen bilden die Essenz der therapeutischen Arbeit, wobei Interventionen am und mit dem Körper eingeschlossen sind..."

Zu dieser Definition wären zusätzlich folgende Elemente schwerpunkthaft hinzuzufügen (P. Geißler: Psychoanalyse und Körper: Überlegungen zum gegenwärtigen Stand analytischer Körperpsychotherapie. In: Psychoanalyse und Körper, Heft 1, Psychosozial, Gießen, 2002, S. 37-81):

  • Die Bedeutung des prozeduralen Wissens / Gedächtnisses und

  • die dadurch notwendige Erweiterung der Theorie des Unbewussten

  • Das analytisch-körperpsychotherapeutische Verständnis des Körpers als "dialogischer" Körper (in Abgrenzung zum "energetischen" Körperbild neoreichianischer Therapierichtungen, wie Bioenergetische Analyse) und als Ort der Beziehungsinszenierung.

  • Die Wichtigkeit der Arbeit sowohl an als auch in der Übertragung und die besondere Bedeutung eines "interaktionellen Übertragungsbegriffs"

  • Die Bedeutsamkeit einer differenzierten Diagnostik für die Wahl der therapeutischen und körperbezogenen Zugangsweisen

  • Die Anwendung eines differenzierten Regressionsparadigmas

  • Die Gleichwertigkeit der verbal-sprachlichen und der körper-sprachlichen Ebene

  • Die Gleichwertigkeit verbal-analytischer und nonverbal-präsentischer Verstehenszugänge zum Klienten

  • Die Gleichwertigkeit im therapeutischen Vorgehen einerseits über die Ängste und Widerstände des Klienten, andererseits über seine Impulse (insbesondere körperlicher Mikroimpulse)

  • Therapeutisches Ziel ist die Veränderung von Repräsentanzen, einschließlich ihrer körperlichen Dimension

  • In "Psychodynamische Psychotherapien: Lehrbuch der tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapien" (Hg. Reimer C. u. Rüger U., Springer-Verlag 2000) kennzeichnet G. Heisterkamp analytische Körperpsychotherapie auf folgende Weise (S. 302):

    "In der psychoanalytisch fundierten Bewegungs- und Körperpsychotherapie wird der freie Einfall in Körperausdruck, Körpererfahrung und szenischem Handeln ebenso in den therapeutischen Prozeß einbezogen wie das verbale Assoziieren im herkömmlichen Setting. Darüber wird aus dem objekthaften Erleben des Körpers ein subjekthaftes Körpererleben... Indem das leibliche Erleben ebenso systematisch wie das mentale berücksichtigt wird, erweitert sich der Möglichkeitsraum für den Patienten, um mit dem Therapeuten zusammen die unausdrücklichen Modellszenen seiner Kindheit und seines aktuellen Lebens ins Bild zu rücken und zu bearbeiten. Wenn die Erfahrungsniederschläge der vorsprachlichen Entwicklungsphasen in der Wirklichkeitsgestaltung des aktuellen Lebens zugänglich werden, bilden sich basale Formen des Wahrnehmens, Begreifens, Verstehens und Behandelns heraus. Durch bewegungs- und leibtherapeutische Verfahren kann der psychische Raum des Unbewußten weiter ausgeschöpft, das analytische Verstehen vertieft und der Rahmen psychotherapeutischer Intervention erweitert werden." 

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